HVD vor Ort

Viele der heutigen Humanistischen Landesverbände gingen aus anderen Organisationen hervor: Der HVD Berlin-Brandenburg z.B. aus dem Freidenkerverband, der HVD Bayern aus der Freigeistigen Bewegung, die HVD-LVs Baden-Württemberg, Niedersachsen und NRW aus Freireligiösen Gemeinden (und diese wiederum aus dem Zusammenschluss der Deutschkatholiken und den protestantischen „Lichtfreunden“).

Im ganzen „Deutschen Reich“ wurden im Zuge der Vormärz-Bewegung und aus Protest gegen den Reliquienkult um den „Trierer Rock“ ab 1845 zunächst freie Gemeinden gegründet, die sich zur Abgrenzung vom römischen Papsttum und in Verbindung mit der Forderung nach einem gesamtdeutschen Staat „Deutsch-Katholisch“ nannten. Eine ähnliche Bewegung in der Evangelischen Kirche führte zur Abspaltung der „Protestantischen Freunde“, im Volksmund zunächst spöttisch „Lichtfreunde“ genannt. Auf einer gemeinsamen Versammlung in Gotha 1859 vereinigten sich beide Gruppen, 1923 erfolgte in Sachsen die Umbenennung in „Freireligiöse Gemeinschaft“. Der Name wurde gewählt um auszudrücken, dass alle Mitglieder frei darin seien, ihre Weltanschauung zu bilden, zu formulieren und zu leben. Nicht nur das sächsische Kirchenrecht sah Weltanschauungsgemeinschaften nach heutigem Verständnis noch nicht vor.

In Sachsen kam es im Jahr 1848 zu einer bemerkenswerten Entwicklung: Die maßgeblichen Bemühungen von Robert Blum und Franz Wigard mündeten in das königlich-sächsische „Gesetz über die Rechtsverhältnisse der deutschkatholischen Glaubensgenossen“ vom 2. November 1848, durch welches den Deutschkatholiken dieselben Körperschaftsrechte wie den beiden christlichen Kirchen verliehen wurden. Die Umbenennung in „Freireligiöse Gemeinschaft Sachsen“ änderte daran nichts. Auch die unrechtmäßige Aufhebung des Gesetzes während der Nazi-Diktatur durch Martin Mutschmann änderte gemäß höchstrichterlicher Rechtsprechung (BVerwGE 105, 255: Eine sog. altkorporierte Körperschaft des öffentlichen Rechts kann nicht untergehen!) daran nichts.

Durch öffentliche Bekanntmachung im Dresdner Amtsblatt Nr. 36/2016 wurde eine Gemeindeversammlung der Freireligiösen Gemeinde Dresden KdöR einberufen, es erschienen jedoch keine Mitglieder. Unter Beachtung aller juristischer Erfordernisse traten die Mitglieder des HVD Dresden e.V. in die Gemeinde ein und gaben ihr eine neue Satzung, die auch den Namen in „Humanistischer Verband Dresden KdöR“ ändert. Der Verein wurde nicht aufgelöst, sondern zum „Förderverein humanistischer Bildung und Erziehung in Dresden e.V.“ umgewidmet.

Alle laufenden und geplanten Projekte des Vereins werden seit dem ersten November 2016 fortgeführt. Die humanistische Weltanschauungsgemeinschaft in Dresden ist nun rein rechtlich den Kirchen gleichgestellt. Der Aufbau der faktischen Gleichberechtigung wird realistisch betrachtet noch eine ganze Weile dauern. Zur Zeit ist im Sächsischen Staatsministerium für Kultus unser Antrag zur Bestätigung der Rechtsform anhängig. Die Beauftragte für Angelegenheiten der Kirchen und Religionsgemeinschaften hat uns darüber informiert, dass die Bearbeitung „noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird“.

Wer diese spannende Entwicklung aktiv begleiten und unterstützen möchte, sollte sich ernsthaft Gedanken über eine (Förder-) Mitgliedschaft machen! Alle Informationen hierzu finden Sie hier:

www.hvd-dresden.org/gemeinschaft/mitglied-werden
Es gilt die humanistische Einsicht: „Von nichts kommt nichts“!

Ihre Ansprechpartner – das Präsidium

Präsidium
Mario Waida, Vize-Präsident | Michael Brade, Präsident

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(c) Michael Brade